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Netzwerken zwischen Verantwortung und Realität


Manchmal entstehen die spannendsten Gedanken genau dann, wenn man einfach nur beobachtet.


Ich hatte das große Glück, gemeinsam mit meinem Mann einen Tag in der VIP-Lounge der Rennbahn in Langenhagen verbringen zu dürfen. Sonne, stilvolles Ambiente, interessante Menschen – es war einer dieser Tage, an denen man sich einfach treiben lassen möchte. Und doch war da etwas, das mich beschäftigt hat.


Schon im Vorfeld war für mich klar: Ich fahre mit dem Auto. Falls etwas mit den Kindern ist. Falls unser Hund raus muss. Falls wir früher gehen müssen.

Warum eigentlich?

Diese Entscheidung habe ich ganz selbstverständlich getroffen. Ohne große Diskussion. Ohne es wirklich zu hinterfragen. War es mein Verantwortungsbewusstsein? Meine Rolle? Meine Prägung? Oder einfach Gewohnheit?


Während ich darüber nachdachte, fiel mir noch etwas anderes auf:

Netzwerken fiel mir schwerer als den Männern um mich herum.

Natürlich habe ich Gespräche geführt. Ich habe bewusst Kontakt gesucht – zum Beispiel zu Johanna Heise. Und ich wurde sehr offen und sympathisch empfangen.

Trotzdem: Der Einstieg, das aktive Zugehen, dieses selbstverständliche „Ich geh da jetzt mal rüber“ – das fiel mir schwerer.


Und ich fragte mich: Warum ist das so?

Ist es, weil wir Frauen oft weniger Raum einnehmen wollen? Weil wir vorsichtiger sind?

Weil wir weniger „einfach machen“?

Oder hat es sogar etwas mit solchen Kleinigkeiten zu tun wie:


Wer trinkt den dritten Drink und wird dadurch lockerer?

Wer bleibt bei einer Weißweinschorle, weil er oder sie Verantwortung trägt?


Ich habe heute sehr deutlich gespürt: Während die Männer sich scheinbar mühelos vernetzen, Kontakte knüpfen, gemeinsam lachen und direkt ins Geschäftliche oder Verbindende kommen, sind wir Frauen oft zurückhaltender. Beobachtender. Vielleicht auch reflektierter.


Später am Abend setzte sich dieses Gefühl fort. Mein Mann ging weiter – zu einer weiteren Veranstaltung, weiteren Gesprächen, weiterem Netzwerken.

Ich fuhr bereits am Nachmittag nach Hause.

Zu den Kindern. Zum Hund. Zu meinen Aufgaben.


Und ja – das fühlt sich auch richtig an. Aber gleichzeitig stellt sich die Frage:

Zu welchem Preis?


Wie viele Chancen lassen wir vielleicht unbewusst liegen, weil wir uns verantwortlich fühlen?

Wie oft stellen wir uns selbst hinten an, während andere weitergehen – im wahrsten Sinne des Wortes?

Und noch etwas wurde mir klar: Netzwerken ist nicht nur eine Frage von Talent oder Persönlichkeit. Es ist auch eine Frage von Rahmenbedingungen, Rollenbildern und inneren Glaubenssätzen.

Genau deshalb brauchen wir Netzwerke wie unseres. Räume, in denen Frauen sich gegenseitig stärken. Sich ermutigen, sichtbarer zu werden, auf einander zugehen, nicht zu viel nachdenken und einfach machen.


Und vielleicht beim nächsten Mal bewusst zu sagen:


👉 Heute bleibe ich noch.

👉 Heute gehe ich noch ein Gespräch weiter.

👉 Heute bin ich nicht die Erste, die geht.


Denn Netzwerken darf sein.

Es darf sich auch unter uns Frauen als selbstverständlich anfühlen.


 
 
 

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