Raum geben – eine stille Form von Selbstbestimmung
- Jasmin

- 10. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Wie viel Raum gibst du dir selbst?
Und wie bewusst entscheidest du, womit du diesen Raum füllst?
Oft sind es nicht die äußeren Umstände, die unser Leben prägen, sondern die inneren Räume, die wir vergeben. Räume für Gedanken, für Zweifel, für Mut, für Entwicklung – oder für Begrenzungen.

„Ich kann das nicht.“
„Ich habe dafür keine Zeit.“
„Das ist nichts für mich.“
Diese Sätze wirken harmlos. Und doch nehmen sie viel Platz ein. Meist nicht laut, sondern leise, im Hintergrund unseres Denkens. Und alles, dem wir Raum geben, beginnt zu wirken.
Raum ist nicht neutral
Raum ist nie neutral.
Was wir nähren, wächst.
Geben wir Zweifeln viel Aufmerksamkeit, werden sie präsenter.
Geben wir Erwartungen und Selbstkritik Raum, bestimmen sie unseren inneren Dialog.
Und oft machen wir uns dabei selbst kleiner, als wir eigentlich sind.
Gleichzeitig geben wir anderen Themen sehr viel Raum: Verpflichtungen, Perfektion, das Funktionieren. Unser eigener Raum – für Lernen, Ausprobieren, Scheitern und Wachsen – wird dabei häufig als erstes verkleinert.
Dabei liegt genau hier ein wesentlicher Teil von Selbstbestimmung.
Ein Beispiel aus dem echten Leben
In dieser Woche habe ich mit einer Freundin zum ersten Mal einen Salsa-Kurs besucht – eine Probestunde. Neue Musik, neue Schritte, fremde Abläufe. Schon nach kurzer Zeit wurde erklärt, dass die Partner regelmäßig wechseln sollen. Rotieren. Nach vorne kommen, zuschauen, mittanzen. Unterschiedliche Führungen erleben, verschiedene Dynamiken spüren.
Es ging nicht um Perfektion.
Sondern um Erfahrung.
Nach dem Kurs sagte meine Freundin:
„Ich weiß nicht, ob das wirklich was für mich ist. Ich weiß nicht, ob ich das so kann.“
Ein Satz, der vielen von uns vertraut ist.
Denn eigentlich war es gerade erst der Anfang. Ein erster Abend. Erste Schritte. Ein fremder Rhythmus. Und doch war der Raum für Zweifel sofort groß. Größer als der Raum für Neugier. Größer als der Raum für Entwicklung.
Selbstbestimmung beginnt im Inneren
Was wäre passiert, wenn der innere Raum anders verteilt worden wäre?
Wenn statt eines schnellen Urteils Gedanken da gewesen wären wie:
„Es ist ungewohnt – und das darf so sein.“
„Ich lerne gerade.“
„Ich muss das noch nicht können.“
Selbstbestimmung zeigt sich genau in diesen Momenten. Nicht darin, alles sofort zu beherrschen – sondern darin, sich selbst Zeit zu geben. Sich zu erlauben, Anfängerin zu sein. Sich nicht nach wenigen Minuten innerlich zu bewerten und damit den Raum direkt wieder zu schließen.
Der Salsa-Kurs ist nur ein Beispiel. Doch dieses Muster begegnet uns überall: im Beruf, in neuen Rollen, in Netzwerken, in Entscheidungen, in Sichtbarkeit. Wie oft ziehen wir uns innerlich zurück, bevor wir wirklich da gewesen sind?
Sich selbst Raum geben
Sich selbst Raum zu geben ist kein Egoismus.
Es ist Selbstrespekt.
Raum für eigene Bedürfnisse.
Raum für Entwicklung.
Raum für das Unfertige.
Viele Frauen sind geübt darin, Raum zu halten – für andere, für Projekte, für Verantwortung. Doch der eigene Raum wird oft leise kleiner geschoben.
Dabei ist er die Grundlage für alles Weitere.
Eine Einladung
Vielleicht magst du dir heute diese Fragen stellen:
• Welchen Gedanken gebe ich gerade besonders viel Raum?
• Wo bewerte ich mich schneller, als ich mich erlebe?
• In welchen Situationen mache ich mich kleiner, als ich sein müsste?
• Was würde sich verändern, wenn ich mir selbst mehr Raum erlaube?
Raum geben ist eine Entscheidung.
Und jede Entscheidung ist ein Ausdruck von Selbstbestimmung.
Bei HERIZON Womens Network Hannover glauben wir daran, dass Wachstum dort entsteht, wo Frauen sich erlauben, ihren eigenen Raum einzunehmen – ohne sich zu erklären, ohne sich zu entschuldigen, ohne sich zu verkleinern.
Denn dein Raum ist kein Luxus.
Er ist die Grundlage.




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