top of page

Kampf der Armlehne

Wer viel unterwegs ist, kennt ihn – diesen kleinen, fast unsichtbaren Machtkampf um die Armlehne im Flugzeug. Was wie eine harmlose Alltagsszene beginnt, entlarvt schnell tief verwurzelte Rollenbilder und gesellschaftliche Muster. In diesem Auszug aus dem Buch "Frauen ticken eben anders" von J. Egoone nehmen wir euch mit in einen augenzwinkernden, aber messerscharfen Blick auf die unausgesprochenen Regeln männlich geprägter Räume – im Flugzeug, im Seminarraum, im Berufsleben.



KAMPF DER ARMLEHNE


In einer Zeit, in der ich beruflich öfter mit dem Flugzeug unterwegs war, habe ich mir immer einen Spaß gemacht.

Es ging um den Kampf der Armlehne zwischen den beiden Sitzen.

Warum meinen Männer einfach grundsätzlich, dass diese ihnen gehört?

 

Ich nahm also fröhlich immer gleich meine Position ein und mache dem Nachbarn unmissverständlich klar, dass die Armlehne mir gehörte.

Irre, wie irritiert sie waren. Als hätte ich die Welt auf den Kopf gestellt, ihre Ehre beleidigt oder wäre einfach einen Schritt zu weit gegangen.

 

Dieser Kampf hat mir gezeigt, wie sehr wir noch in alten Mustern festhängen. Wie sehr die Frau sich doch bitte unterzuordnen hat.

Hast du schon mal erlebt, dass eine Frau, nachdem ein Mann ihr die Hand gegeben hat, mit der anderen die Schulter des Herrn ergreift, um ihm zu zeigen, dass sie die Hosen anhat?

Bestimmt nicht. Weil eine Frau das einfach nicht macht.

Sie lächelt nett. Hat vielleicht etwas Druck im Handschlag, das ist alles.

 

Auch das Gegockel bei Tagungen ist für mich immer wieder ein Fest. Hätte ich noch bequemere Sitze und Popcorn, wäre es manchmal wirklich filmreif.

Männer müssen, um arbeitsfähig zu werden, erst ganz genau ihren Stand in der Hierarchie der Gruppe herausgefunden haben.

Vorher kannst du sämtliche Gruppenarbeiten vergessen. Sie kommen nicht zum Arbeiten.

Das kann auch mal eine halbe Stunde andauern.

 

Wie immer im Leben gibt es auch bei einer Seminargruppe meist die Gaußsche Normalverteilung:

Zwei oder drei Alphamännchen, die sich um die Anführer Rolle duellieren, fünf bis sechs, die sich den Mittelbau teilen, und zwei, die abgeschlagen das Schlusslicht der Gruppe bilden. Maximal zwei Quotenfrauen sind auch zu finden.

 

Wenn Männer sich durch diesen Prozess des verbalen

„Was bin ich nur für ein geiler Hecht“-Spiels geschlagen haben, sind sie einsatzbereit.

Jeder weiß, wo sein Platz in der Hackordnung ist, und nun können sie loslegen, produktiv zu arbeiten, und sind mit ihrer eingeteilten Rollenverteilung d’accord.

 

Übrigens spielen Frauen bei der Hackordnung absolut keine Rolle. Sie sind einfach außerhalb der Betrachtung – egal, wie viel Kompetenz sie auch haben mögen.

...


J. Egoone beobachtet, was viele Frauen erleben, aber selten aussprechen. Mit Humor, Klarheit und einem feinen Gespür für Dynamiken, die unter der Oberfläche wirken, lädt sie dazu ein, gewohnte Muster zu hinterfragen – und bewusst neue Räume zu gestalten.


Und jetzt?

 

Wie oft nehmen wir bestimmte Verhaltensweisen einfach hin, weil sie “immer schon so waren”?

Wie oft lassen wir zu, dass Kompetenz übersehen wird – nur weil sie leiser, höflicher oder weiblicher daherkommt?

 

Was passiert, wenn wir die gewohnten Rollen hinterfragen?

Was wäre, wenn nicht Dominanz, sondern echtes Zuhören über die Hackordnung entscheiden würde?

 

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort – an einer scheinbar unwichtigen Armlehne im Flugzeug...

Wie oft hast du sie einfach abgegeben?




 
 
 

Kommentare


bottom of page